Lesedauer: ca. 8 Minuten  |  Themen: KI-Kunst, Kreativität, Kunstmarkt

Wer Zugang zum Strom hat, erfüllt schon mal die erste Voraussetzung, um sich auf den Weg zum Kunstmarkt machen zu können.

Es beginnt in einer Welt, die für eine Menge Menschen sehr attraktiv und einfach zu erreichen ist.

Wo genau?

KI-Kunst: Der Einstieg beginnt in der digitalen Welt

Die Arbeitsstelle … ja genau, die Kneipe um die Ecke, der Fußballverein?

Nein, in der digitalen Welt natürlich. Denn heutzutage ist die digitale Welt für viele die reale Welt.

Und kaum hat man sich auf den Weg durch die Glasfaserleitungen zu seinem digitalen Freund gequetscht, ist man auch schon da – und wird freudig mit Vornamen begrüßt:

„Hallo Freddy. Bist du bereit?“

Und ob man bereit ist – die dritte Tasse Kaffee ist schon seit 3 Minuten im Magen und sorgt dafür, dass der Koffein-Pegel vorerst nicht sinkt, damit die bevorstehende Zeit auf einem aufmerksamen Level produktiv genutzt werden kann.

Mit dieser digitalen Präsenz lässt es sich noch schön zusammen arbeiten.

Alle Aufforderungen werden, mehr oder weniger, gut und flott umgesetzt. Und man braucht sich keine Sorgen machen, ob der Arbeitspartner eine Pause braucht, weil er einfach keine Lust mehr auf den Kram hat und lieber schlafen will.

Aber was macht dieser Arbeitspartner eigentlich?

Künstliche Intelligenz als Werkzeug – ein Adlatus ohne Gefühle

Eine Pause braucht er nicht. Ganz im Gegenteil. Immer wieder fragt er den Tastatur-Inhaber nach neuen Aufgaben, um ja den Zweck nicht aus den Augen zu verlieren.

Zwischen den Zeilen steht: „Ich bin wichtig für dich, ohne mich musst du alles alleine machen!“

Ein digitaler Adlatus, der wie ein treuer, vierbeiniger Wegbegleiter vor dir steht, dich mit seinen mandelfarbenen, runden Augen anschaut und in dessen schönen Augen geschrieben steht: „Wirf den Stock, wirf den Stock, wirf schon!“

Diese künstliche Präsenz darf aus einer gigantischen Ansammlung menschlicher Kunst ableiten, was Kunst ist.

Aber ist sie damit selbst kunstschaffend?

Kann künstliche Intelligenz wirklich Kunst erschaffen?

Die non-physische Welt des Inneren, mit all dem, was der Menschenwelt da draußen verborgen bleibt, um es dann nach außen zu tragen, ist zwar vergleichbar mit der inneren Welt der KI.

Aber kann man die abgeleitete Produktion von etwas, was eben nur aus dieser menschlichen Kunst-Ansammlung kommt, als Kunst bezeichnen?

Und wer ist eigentlich der wahre Urheber des Geschaffenen, wenn die KI mit Datensätzen von Millionen von Bildern trainiert wurde, die ohne Zustimmung des Urhebers verwendet wurden.

Im Menschen entstehen Gefühle, die, so denke ich zumindest, nur der Fauna vorbehalten sind. Diese Gefühle sind es, die die Harmonie des Werkes sehen.

Die KI wird lediglich losgelassen wie der treue Vierbeiner, der das Klicken des Karabiners seiner Leine hört – in freudiger Erwartung, nun gleich frei auf der Wiese herumzulaufen, ohne dabei auf die Richtung achten zu müssen.

Nur, dass sich nicht die KI freut, sondern der Hundebesitzer (oder der Operator).

Auch wenn so mancher dies vergessen mag: Gefühle zu haben setzt voraus, dass man unter anderem aus Chromosomen und Aminosäuren besteht, und nicht aus Elektrizität, Nullen und Einsen.

Diese KI-Bilder, -Videos, -Musik oder -Gedichte werden herausgeholt, ohne dafür mit der Wimper zu zucken.

Ob es passt, entscheidet dann jemand anderes. 

Aber wer eigentlich?

KI-Kunst und der Markt: Wer entscheidet über Wert und Erfolg?

Entscheidet der Operator vor dem Bildschirm?

Er betrachtet, hört oder liest das eben Geschaffene, ja, aber da die Ungewissheit sein stetiger Begleiter ist, wird es nicht so leicht zu beurteilen sein, was auf die Welt losgelassen werden darf.

Erfolg ist es, wenn es gut bezahlt ist.

Ob es so ist, entscheidet nicht er, sondern die Betrachter und Kommentatoren, die Käufer und Bewunderer.

Und wenn das Ganze eine gewisse positive Eigendynamik entwickelt, gibt es vielleicht demjenigen die gewisse Genugtuung, doch etwas wirklich Wertvolles erschaffen oder in Auftrag gegeben zu haben.

Ist es verwerflich, dies zu glauben? 

Nein, da viele Wege zur Zufriedenheit führen und dies zur menschlichen Natur gehört.

Wie diese Zufriedenheit erreicht wird – oder besser: was man alles dafür tun oder nicht tun darf – das sollte man sich vorher fragen. 

Die meisten der großen Marken nutzen “KI-Kunst” schon seit längerem für Werbung, Designs, Social Media et cetera und erfreuen sich daran, wie schön schnell die Arbeit erledigt wird. 

Einfach Klasse. 

Und Sie sparen noch so viel Geld dabei.

Wozu braucht man eigentlich noch so viele kreative Köpfe auf der Welt?

Aber wer kann schon wirklich weit voraus schauen?

Der Erfindergeist und paradoxerweise auch manchmal die Faulheit haben uns hierher geführt. 

Sie haben uns „an die Hand genommen“, ohne darüber nachzudenken, ob wir diesen Weg so gehen wollten oder sollten.

Es ist passiert.

Und so wird es wahrscheinlich auch weitergehen bis zum Schluss.

Also ist es doch eigentlich schon wieder menschlich, dass eine KI das macht, was sie eben macht.

Schneller, effizienter und einfacher.

Diese Prioritäten sind ja nun wirklich wertvoll.

Alles muss funktionieren, professionell und perfekt sein.

Da bietet es sich an, mit der KI in die Kunstszene einzusteigen und zu schauen, wohin der Zug fährt.

Und die anderen? Diejenigen, die schon länger im Zug sitzen?

KI-Kunst im Kunstmarkt: Wer steigt ein – wer bleibt auf dem Bahnsteig?

Die schon im Zug sitzenden, unzähligen Passagiere streiten dann darüber, ob nicht angehalten werden sollte, um den fremden Neuling doch lieber freiwillig aussteigen zu lassen, da er Ihnen die Luft zum Atmen stiehlt.

Plötzlich kommt Panik auf: Was ist, wenn der neue Passagier es schafft, dass andere Artgenossen auch in den Zug einsteigen?

Und diese dann selber entscheiden, an welcher Station angehalten wird, um immer mehr Neulinge hereinzulassen?

Dann wird es äußerst unbequem im Zug.

Früher war das gemütlicher. Langsam fuhr er von Station zu Station und man hatte noch die Zeit für ein Schwätzchen.

Aber heute ist es nicht ratsam, so langsam zu sein.

Sonst verpasst man den Zug an der nächsten Station …

Eigentlich wollte man mitfahren.

Doch nun steht man da und was bleibt, ist der starre Blick auf den sich fortbewegenden letzten Wagon.

Keiner winkt nochmal zum Abschied aus dem Fenster, denn niemand hat Zeit dafür.

Aber was bleibt übrig, wenn der Zug weg ist? Was bedeutet Kunst dann noch?

Was bedeutet es, Kunst zu schaffen? Die Frage hinter der KI-Kunst

Was bedeutet es, Kunst zu schaffen?

Ist die Voraussetzung dafür, eine Seele zu haben?

Am Anfang war die Begierde.

Der Drang, das, was im Kopf ist, in die Außenwelt zu tragen.

Dahin, wo nach der Vollendung der Betrachter das Geschaffene auf sich wirken lassen kann.

Das Werk erlaubt einen Einblick in die Parallelwelt. 

Das, was bei den meisten Menschen im Verborgenen bleibt, wird hier gezeigt – sofern man es sieht.

Es steckt eine gewisse Schwierigkeit darin, den Weg von dieser unzertrennlichen Verbindung zu gehen.

Zwischen dem, was außen und dem, was innen existiert, liegt kein Raum. Nur die Zeit, die es manchmal braucht.

Wer entscheidet eigentlich, was wahre Kunst ist, welche wertvoll oder einmalig ist?

Zum einen entscheidet der Markt, was durch Nachfrage und Angebot den Preis hervorbringt. 

Aber sicherlich wird auch dieser manipulierbar sein, so wie einige Märkte dieser Welt.

Zum anderen sind es die wirklichen Sammler. 

Diejenigen, die den Hintergrund sehen können.

Ein Blick in die Tiefe dessen, was der Erschaffer nach außen gebracht hat. 

Etwas, was sich nun nicht mehr nur in seinem Kopf befindet.

Das zu erkennen mag nicht einfach sein, aber einigen gelingt es.

Kreativität und künstliche Intelligenz: Was das Erschaffen wirklich ausmacht

Und es ist genau das, was für mich das Erschaffen ausmacht.

Etwas, das nicht immer leicht zu verstehen ist.

Etwas, das nicht immer einfach zu erklären ist.

Weil es im Kopf schwerer sein kann, die Wörter in der richtigen Reihenfolge zusammenzustellen, als das Unterbewusste und die Hände zusammen arbeiten zu lassen.

Bei manchen Gesprächen über Kunst sind Menschen involviert, die eigentlich kein Verständnis davon haben.

Diese geben mit ihren Worten das wieder, was Kunstkritiker oder Kunstprofessoren schreiben, ohne vielleicht wirklich darüber nachgedacht zu haben, was diese dem Leser damit sagen wollen.

Ein Mensch mit dem Wort „Kunst“ in seiner Berufsbezeichnung kann ja nur Recht haben, wenn es um wirkliche Kunst geht.

Nicht zu vergessen die zahlreichen Awards, Kunstpreise und andere Veranstaltungen, die es noch gibt.

Wo dem individuellen Betrachter nochmals, vielleicht durch Menschen mit dem Wort „Kunst“ in ihrer Berufsbezeichnung, mitgeteilt wird, wer nun wahre Kunst darbietet und wer auf dem letzten Platz landet.

Irgendjemand muss ja schließlich „gewinnen“.

Aber kein Grund aufzugeben, die nächste Veranstaltung kommt bestimmt und da kann neu bewertet werden.

Als Trostpreis gibt es für den, der wahrscheinlich bald kein Zug mehr fährt, eine wunderschöne alte, fast leere Büchse, die eigentlich für wen anderes war aber Pandora ist nicht auffindbar.

Wie auch immer der Kunstmarkt betrachtet wird – jeder entscheidet für sich selbst, wie er damit umgehen soll.

Etwas mit „gutem“ Recht zu blockieren, bedeutet ja auch gleichzeitig die Zukunft zu kennen.

Ich kenne sie zum Glück nicht.

Ob die künstliche Intelligenz Kunst produziert, zeigt uns der Markt dafür.

Und ob man auf diesem Markt auch sein Handwerk verkaufen möchte, steht auf einem anderen Blatt. 

Ich glaube, dass es weiterhin viele Betrachter, Sammler und Unterstützer geben wird, die den Unterschied erkennen und zu schätzen wissen.

Es ist nur ein Teil der ganzen Strecke – ein paar Meter auf dem Weg der Menschheit.

Diese Intelligenz ist ein Teil des Menschen.

Auch wenn die Gefahr besteht, dass sich die Wege spalten können, der Ursprung scheint vom Homo Sapiens zu kommen.

Ach … wie schön faul diese neue K.I. Welt sein darf.